Kay: Vier Texte

ich schmiegte mich zum gute nacht sagen ans fensterbrett und sichelte in den dunstkreis
die holzwolle lag mir in den ohren und die wolken pressten mich an ihre hucken
ich log jungenhaft etwas von sitzbezügen und riskierte ein auge das warf ich zu den anderen sternen
unten keilten sich zwei heidschnucken denen sah ich gern beim rammeln zu
sie nahmen mich huckepack also hörnte ich sie und sie wurden wütend darüber
sie stießen mehrmals in die luft aber da war nichts zu machen ich blieb ein rodeoreiter
dann sprang ich ab und lief barfuß durch das gras

*

nach mir jagte der kojote seinen schwanz über die wiese
ich gab ihm einen tritt und griff ihr in die halme daraufhin schrie die goldammer
lieber freund die wiese ist für alle da
ich rieb noch einmal meinen rücken dann sprang ich von der leinwand und sah mir den film an
mädchen tanzten über die alpen und warfen armreifen in den kinosaal bis alle sangen come on alter junge
ich legte wie die andern meine hand aufs herz gemeinsam stießen wir den lockruf aus: schah-ruck

*

ich ging nicht zur arbeit ich blieb stehen dabei
dachte ich manches und warf vieles weg das hätte ich besser behalten
aber gedanken machen auch nur dreck ich erinnere mich noch
wie ich vergaß einen kübel abwaschwasserin die sommerbeete auszuleeren
um die speisereste die darin schwammendem gedächtnis zu übergeben
dort verwandelten sie sich in zellen
wie schmeißt man nur diesen müllberg weg

*

ich hatte auch mal durst und hängte mich an eine flasche wasser
schon sprang die mythe aus der quelle und strafte mich mit blicken
trink nicht so senkrecht du schluckst zuviel luft
ich sagte honey ich erzähl dir mal was über kunst
sie ist da weil man spaß mit ihr hat
wenn nicht ist sie trotzdem da das reicht
übrigens häng ich gern von ihr ab also
sei nicht eingeschnappt 

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