Dan Vulcanescu: Sechs Securitate-Gedichte aus „Schafe, elektrisch“

(1)

den andern jahr krieg ich so post aus dem münchen / mónaco
mit inhalt wie folgend: auch die vulcanescu sei darbei gewesen.
plus lichtpausen signaturul und denen erklärungsverpflicht. so
durchwackelts mich ein bißle sehr. denk ich von alten gespens-

ter wo kommen zurück. wer aber kennt die dynamiken von
signaturul „vulcanescu“ wie ein flüßig magma fließen und blitzes-
gleich den „dan“ darvor – dieser muß sagen in echt und wahr-
haftig nicht seien vulcanescu-signaturul dieses! seien abgefeim-

ten, abgefucktem plagiaten. die norm-vulcanescu-signaturul
gehen immer so: schön/schön, fein/fein – die plagiaten gehen
nur so husch/husch, schriftel/schriftel. dann aber les ich dene
berichteschriften von typ „vulcanescu“ und muß ich sagen: ja,

doch, ist ganz meine schreibe elektrisch und meinen infos
explosiv. so sag ich final: signaturul nein, informationsberich-
te yes sind sie meine! und geliefert, gestempelt, gezeichnet
mit wunderschön decknamens infotarn von „sternele mircea“

(2)

so geh ich donnerstag bei schiedsstelle / ombudsfrau bine
nach runter klausenburg / cluj – mit domanda-forderung
einsicht aktenformular. geben ombudsfrau nur mit zögern
statt, weil bine sie denke „sternele mircea“ war ihre ver-

storbene gatte (an blattern). „uff, uff!“ sagen die witwerin
mit ihre fantastic figur und schöne balkon wie wölbungs-
vorbau oder sag ich: brüstung. mach ich ihr schöne zuäuge-
len – und was sage: wittfrau erwidern die äugeln mit so

schlecken zunge die lippen. aber egal. geh ich zu ständer-
regal „st“ wie „sternele mircea“ und  zieh mir den akt. ist ein
dicken packen von akt mit so einen „giftig/giftig“-zeichen
vorne auf deckeln und denen piktogramm „sehr die strahlung

aktiv“ sowie „achtung, besser säurehandschuh“. setz ich mein
eminescu-schutzbrillen auf sowie denen schneegamaschen und
mach start bei erste akt. gerade will lesen die mircea, was
schreiben, komme wittfrau mit bierflasch und äugeln. na bine.

(3)

den mittwoch drauf: ich steig herab von hütten mit wild entschluß
zu klausenburg-schiedsstelle / cluj.und saße an reception so die
alten rentenmann. denk ich so wie für mich: puh! und: habe glück
– die ombudsfrau scheint freie tag. bine. und schnapp schlag ich

den aktendeckel „sternele“. und les und les und stockts mir den
atem bei lesung komplett. was nämlich sehe ist dynamic vulca-
nescu-schreibe, wie dieses zitierens quotate: „denen dorfpfarrer
donaldson von schreck seien klaro von pietismus „radikal“ und

augsburgisch confessio. denen sozialistisch proto-famili  im coun-
trystaat (famili c.) er achte niedrig diese und schweige sich grund-
legend aus. auch habe  männlichen sohn von außenbegattung er-
worben: sekretel/sekretel. vom altbischof schleichkatz deslegiti-

miert. habe nun benannt dies pfarrer donaldson den knaben auf
„dan“ und geben in pflege-adoptio von alte frau vulcanescu in
vorstadt klausenburg / cluj.“ hier endet berichts mit satzperiode.
und mich laufen schauer und wie stechens hodensack neuerlich.

(4)

jetzt ich hab so bißle schnauze voll von immer müsse sage: sorry, sorry,
sorry! für membership organisation „securitate“. müsse immer sage: ach,
wenn wisse situatio, wo befinde mich in cluj / klausenburg im 81er-jahr!
ach, wenn wisse mache druck die offiziersleutnant – aber wisse welche!

und alte frau vulcanescu sage: komm, dani, komm! mußt du dene alles
erzähle! sind doch die gutleut von komintern-stamokap und xte partei-
tag! so sage alte vulcanescu-frau. und ich hab im nämlichen jahr ziem-
lich schäferprüfung auf kippe, so circa fifty/fifty und  gleichfalls dito die

frauens für mich entdeckt mit bussi-bussi etc. und denkens ich: schlepp
ich mit hochwahrschein so jede ab, wenn selber ein securitas-fahnen-
junker oder -boy bin. und siehst du: ist genau bißle so gekommen..im-
mer sag ich zu frau: was denke – ob securitas-boy bin oder keine? und

immer dann so bißle zeig von meim taschenmesser so knauf oder denen
stech-und-reib-ahle. und weibsleut erstarre und nix sage, überhaupts nix
und so geschehen lasse. so die art war der dienst meiniger. deshalb bißle
schnauze voll von ewig „sorry, sorry“. du bitte versteh jetzt! gell, okay!

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komm ich vom käsen (= käs machen) in hütte zurück, sitz dort auf
den ofenbank alte führungsoffizier petrescu dick und fett wie gespenst.
gaaaah! denke und: baaaah! und sage aber: „alte verschissene petrescu,
noch arschloch zuklappt nicht bisher?“ sehr frech! aber cool petrescus

erwiderns: „eher sternele vom himmel fält oder höllenglut sich verkühlens!“
hab ich großrespekt vor die bemerkens petrescu. ist ziemlicher hundling
von jehers gewesen. frag ich: „was wollens belieb? oder nur hier wärme-
stube sitzen schön / schön?“ sagt die hundling wörtlich: „listen! sehr listen

jetzt!“ ich listen sehr. kommt aber nix. macht so nag-nag auf kauleiste.
sehr schauderns mir den rückgrat runter. macht immer so weiter: nag-
nag, kau-kau. dann macht malm-malm. und brichts aus sich heraus: hab
ich, das wisse er, petrescu, genau, bine connectio zu deutschland wegen

immer deutsch schreibe. stellens mich vor situation verlust-verlust: entwe-
der ich geb ihm kontakt zu abschirm deutsche, also sinn von: staatssicher-
heit (weil wolle beruflich verändre) oder lasse platze mich mit akte extrem.
schon bißle hammer! sag ich: „mach ich dir kontakt“ – aber kein idee, wie!

(6)

sitz ich tags drauf im „sichel“ mit kolleg vladu von ziegenverschneiden. erzähl
ich die ganze geschicht, scheißgeschicht. sagt mir wie von pistole: soll ich die
dings vom institut anrufen. südosteuropa. und gieße reine wein: wie gewesen
und war und ist. und die petrescu verschwinde. aber, sag ich, ist sich die pe-

trescu brutal extremhundling mit messer und optional beil. und mit die scheißige
akte in additio. ist aber heute regel von schwamm drüber, meint die vladu ham-
melmacher. aber ich seh die petrescu schon sitzen ganz wie benachbart, mit nag-
nag, kau-kau, mit schon bißle beil zeigen und messer über fingernagel, ob schön

scharf ist. was ich weiterhin denk: ob cluj / klausenburg so die endziel für dich-
ter mit background whitman auch grünbein. ob nicht flüchte die petrescu durch
wegzug? sehr denk ich nach und mach schon bißle selber so petrescu-malm-
malm, also sehr bißle. denk ich: bukarest? nicht gut, weil sitzt die arsch petrescu

dort. denk ich jedoch die andere städte rumänien nicht gut für dichter wie mich,
also whitman-dichter elektrisch. da kommt wie blitz mit donner-lösung: sibiu /
hermannstadt wär sehr possibile! aber was ist mit teilrepublik, mit schafens, hund
und laibern käs? denk ich: fuck you! ich wags, in sibiu zu dichten – also elektro!

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