Christian Steinbacher: Umschifft den Wind …

Umschifft den Wind, geht ein ins Mark, seid froh sein Floh!
(„Was rutscht denn da? Ins Ohr? Leicht schrill? Ein Schild? Kein Kilt?“)

1

„Also wieder einmal, wieder einmal“, prahlt das schlichte Gemüt,
„’s ist schon cool, ’s ist schon cool“, jener, der sich gerne verbrüht,
„Complement!“ quengelt hingegen unser glutenfreier Patron,
macht sich auf wie verjuxt oder spricht sich davon:

„Lustige Amerikaner im Indianerschmuck sehen
ihren Kameraden auf dem Wasser zu“, liest ab du, als hättst
wiederentdeckt du ’nen Wettlauf noch vor all dem Rudern,
einer Bildkarte Nummer Hundertelf aus dem Sammelwerk zur

Olympiade Neunzehnhundertsechsunddreißig. Jawohl! Aber das
wäre es auch schon wieder gewesen mit einem Abreißen, denn
insofern uns dies alles ja bloß sonnenklar scheine, ließe
weiterhin es sich umstelln, verkehrten mit Zeter

oder mit mehr Schwanken / im Lüpfen / gerne jene sogar,
die es sollten wissen, / dass etwas / ohne Weiteres nicht
würde uns flugs schlüpfen, / weil müsste / worden sein ja selbst das
noch im Anfang auch schon / gefertigt. / „Voller Pracht oder Pacht

seien unserer Meinung nach Brachen eben noch nicht“,
redet von einem Eintreten für ’nen Dissens der da nun, der
weiß ins Ausgewogne zu denken, selbst wenn noch so sehr
auszurenken er sich bemühe, bliebe eines Sausewinds wind-

schiefe Lockung ansonsten angestarrt kaum viel mehr…

2

Ein bitte haltet, hebt euch dann und setzt
das Ausbedungne endlich ab, mit Schwung
würd’s gleichfalls knapp (wenn auch nicht knapper jetzt
als wo auch immer sonst), Erinnerung,

die wollt doch halten nicht ein Lebtag, wo
selbst du ’nen Quark nicht täglich ziehst. (Trieb’s nur
herum, wo wär ich dann?) Nur wenn zurück
ins Forum hechtet ihr, ins Mark ihr trefft

den Markt, heißt es, wobei solch Oberton
unter der Hand sollt kratzen nicht, verspielt
zurück wir melden uns, der Floh, er floh
nicht wirklich, ’s Jucken blieb selbst fern ihm Ziel.

3

Doch was soll’s, Kunigunde hält nicht als Name, auch Alf
würden kaum wir ausschenken, Ulkibiades, wenn schon,
ja verleihendes Nennen gibt gar lustreiche Zonen,
einzig aber im Schongang hält sich Sahne als Luft,

Ibrahim setzt’ jetzt über an Italiens Küsten,
Streifen abstreifen kaum aber lässt durchtränktes Papier.
Nein, ein Floh sei noch keine Zecke, bis der Impfpass kapiert das,
wird ein Eintrag ziemlich sicher keinen Ertrag kippen. Wo

Namen weiter sich bürsten, trieben besser wir windschief
ohne Wimpel und Riff, bis sogar in schrillrer Fasson,
in ’nem Wiederentdecken etwaiger Quertreibereien, im Nu
angeboten hier hätten sich eben Ruderboot wie Tattoo.

4

„Also wieder einmal, wieder einmal“, prahlt das schlichte Gemüt,
„’s ist schon cool, ’s ist schon cool“, jener, der sich gerne verbrüht,
„Complement!“ quengelt hingegen unser glutenfreier Patron,
macht sich auf wie verjuxt oder spricht sich davon:

Erst fehlt das Tuch, sodann die Hand,
doch nicht vergällt solch Fehlbestand
den Tand, dem Unverstand verfällt,
dem Nerv, klemmt ein den, was ihn stellt.

„Gesichtswäsche?“ Ich zeig mich nicht.
Heißt heut eher „Gesichtsmassage“.
Hast auch schon solch Gerät zuhaus?
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