Lisa Spalt: Die böse Seele. Zwei Texte

(1)

zum Beispiel draußen im Leben, gegen Abend, und die böse Seele ist wieder einmal aus unseren Körpern geklettert, um ihre Schatten über die Dörfer, die wir bewohnen, zu werfen. Sie hat uns wie immer um diese Zeit in jene von Bücherskorpionen durchsurrte Ecke unseres Schlafes gescheucht. Und nun sollen wir also erneut diesem Doppelgänger unserer wahren Träume begegnen. Aber dieses Mal haben wir uns gerüstet, haben Mülleimer an Straßenlaternen festgemacht. Und wir haben natürlich nicht kapiert, dass wir damit bloß abgeschmackte Metaphern erzeugen: die Glühbirne mit dem Schmutz oder einer eher abstrakt herumschwirrenden Verunreinigung durch etwas Unnotwendiges über eine Klemme dauerhaft zu verbinden – natürlich. Aber es fällt zumindest ein warmes Studierlicht, um welches wir die Psyche wie ein verführerisch plüschiges Haustier herumschleichen lassen, ins Innere. Und vielleicht hoffe ich sogar, mir dadurch irgendwann die Realisierung verräterischer Geräusche patentieren zu können, wo dieses Licht die Bilder des Hintersinnigen als Voraussetzung der Macht darüber gebären wird und diese Bilder wiederum die Romantik, welche der Vernunft diesen kleinen Fledermausumhang anzieht. Ich meine, aus einem Butzenfenster (vielleicht auch Benutzerfenster?), auszublicken. Aber klemmt da nicht bloß ein Kaugummi im Klischee, hinterglasgequetscht? Erzeuge ich nicht bloß auf diesen Druck – indem ich in einem Lullaby-Rhythmus in die Landschaft atme – wallende Farbennebel, welche dann beim Wiedereinsaugen, indem sie mit winzigen Kielen die Schleimhaut meiner Bronchien reizen, die Lungenflügel zum Polster auf quellen lassen? (Hat sich nicht auch der Gedanke der Nation an dieser in die Landschaft verscheuchten Psyche entzündet?)

(2)

Ach, Gretchen Deutschsprachs macht wieder mit Fremden herum, Mutter Schmerzhafterrosenkranz kann gar nichts dagegen tun. Die Kerle sind mit dem Teufel von Deutschsprachs Belohnungszentrum im Bunde. Das Kind aber, an dem da gebastelt wird, hat eine Haut aus einem Bowleglas; das ganze Kunstsystem besteht aus nichts als seiner Nährlösung und darin Gretchen Deutschsprachs Lustgehirn.

Ja, Deutschsprachs wird langsam etwas herrlich. So ein Ding passt doch eigentlich gar nicht in die Grenzen unseres Nationsbegriffs, darin man Domänen produzieren und sich etwas Gesellschaft zeugen will. Wer sollte da noch Leibesmaschinen, an denen alles zu verbocken das Subjekt die Verbstelle einnimmt, generieren?

Gretchen Deutschsprachs hat also Spaß am Brüten. Ja, das meint die wahrscheinlich mit ihrem Gehirn-im-Tank-Experiment. Aber sollen wir sie ihre Bricolage ihrem Gemeinsinn opfern lassen und zusehen, was passiert?

(In einer Traumverschiebung teilt sich dieser ganze Komplex, wie man liest, als simples Umeinenkopfkürzergemachtwerden mit. Also, da haben wir Gretchen, Verkleinerungsform, und eine Beugung. Der Kopf findet Platz im Pass …)

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