Benedikt Ledebur: 4 Schnellgedichte

1

ein schlächter der daten
reisst auf jeden kalender
den nächsten kalauer,
denn echter als därme
können keine der arme
umfangen. fummeln
in zeichen, bis zeitlos
gelächter die sachteren stimmen
ersticken, im muster
fortlaufend verwirken,
wie sie immer stummer
die maschen nach sachen
absuchen. stopp! diese pause
unterbricht nicht, sondern
schafft erst verhältnisse,
die länger halten als
vorübergehendes verhalten.
stopft wer noch löcher,
muss erst die öse der faden
durchkreuzen. schlechter
der taten gedenken
lassen vertrocknete lenden,
die enden zusammenfassen:
schemen schlittern ins aus,
denn so einer kommt mir nicht
mehr, den ich einmal
als solchen erkannt.
schau nicht genau hin,
sonst täuscht dich der strolch
mit treuen augen,
während hinter dir
in pantomimen die beine
schon auf- und ausreisst
ein storch, ein stehschnabel
mit spreizmechanismen,
der den frosch in dir
solange aushorcht,
bis noch die tiefsten
geheimnisse als
triefende banalitaten
im marsch daherkommen,
den sie dir und sich damit
auf blasen als lichtkringel
vorspiegeln. so haut, natur,
mit entzündeten gelenken
noch jeden in die pfanne.

1

a butcher of the data
tears the next low pun
on every calendar,
because more really than intestines
can embrace none of the arms.
fumble in marks,
until the timeless laughter
the more gentle voices
suffocate, in the structure
forfeit sequentially
how they search always
in the knitting stitches
for things. stop! this pause
interrupts not,
but creates only relations
which keep longer
than temporary hold back.
if who still stuffs holes,
only the eye the thread
must cross. worse
him did allow to think
dried up loins,
end summarize:
silhouettes slide into the out,
because so one does not come
to me any more, which I once
as such recognized.
do not look exactly,
otherwise he deceives you bum
with faithful eyes,
while behind you
in pantomimes the legs
a stork, a stiff  beak
with mechanisms to open out,
already rips up and tears
out, the frog in you
as long as sounds out,
since still the deepest
secrets come along
as dripping banalities
in the march, which they to you
and itself with it on
blow as circles of light
lead to believe. so hits, nature,
with inflamed joints
still each in the pan.

2

allerleichtester erzählerton
teilchen abzählend, lichteste,
letzte dinge zu diesem geräusch
zusammengefasst, ammenmärchen,
nackte nachbarinnen
in der stählernen badewanne,
ade unter dem holunder
und weiterer holler
eitert wie toll aus dem gedächtnis,
war es nicht grün um den stadel,
kleinstes anwesen,
adelt, wo schon die grube winkt,
gelächter die schwestern,
ahnen die helle im sinn sie.
blinken die laugen,
turnen die lautlosen reiter
aus verherrlichtem gebüsch.
hübsch, wie sie sich brüsten,
sträuben, blau, wie zwitschernde meisen,
zwischen zerbrechlichen ästen,
brüchigen läufen.
lass, die stelzen, auftragen,
dick, wie sie sind, vom feinsten,
steif vom einen,
lass sie, die stolzen.
rollen, neu wie die rosen,
die sie aus hecken geklipst,
blink, blink, bübische elstern.
bewege dich endlich
weg von der hütte!
sieh dich vor,
noch wogen die felder,
bis bald dir die mähne gemäht.
selbstgestolper
schwierigster natur
wächst dir dann zelle um zelle
über den kopf – hüte dich! -,
liest die leviten dir
zeile um zeile,
und weitere pülcher. für und für
platzt, achtung, der fleck
als fünf sinne in die parkbäume.
die lückenwut ist vorüber.
worüber hat sie gehandelt?
getändelt sie hat bescheiden.

2

all-easiest tone of storytelling
particle counting, lightest,
last things along this noise
summarized, old wives´tales,
naked  women  next door
in the steel bathtub,
good bye under the  elder-bush
and another  elision
festers like mad from the memory,
was it not green around the barn,
smallest estate,
ennobles, where already the pit beckons
laughter the sisters,
suspect bright in the sense they.
blink the solutions,
do gymnastics the loudless riders
from glorified bushes.
prettily, like they boast,
ruffle, blue, like chirping titmice,
between fragile branches,
brittle runs.
leave those, who stalk, lay on,
thickly, as they are, from the finest,
stiff from unifying
leave them, the proud.
roles, new as the roses,
they clipped from hedges,
blink, blink, mischievous magpies.
move you at last
away from the hut!
look before you,
still wave the fields,
until soon your mane is mown.
stumbling of the self
of most difficult nature
then grows cell by cell
over your head – guard you! –
lectures  you
line by line,
and further swindlers. for and for
bursts, attention, the blot
as five senses into the park trees.
the anger of holes is over.
about what did she act?
she has dallied modestly.

3

metaphysische schieber
lassen die namen feiern,
bis reiferen damen ein oh!
entkommt ob solch freien
formulierungen, die
bei passender begleitmusik
auf der zunge zergehen.
sosein erhebt sie,
wenn auch nicht viel
weiter unten
vor stellungen andere
grunzen. rasieren
sie sich die wesen ab!
wozu auch einranden
was ineinander verfliesst.
so balanciert unter tassen
der wahrsagekrapfen,
sah arge pfaffen
in eigener rede
verkehrte zeichen parken.
zerren die marken müde
aus wertlosem einerlei
für jeden affen geeignete orden.
vibrato der lungenflügel
vernichtet die nichten
zeitreisender onkel.
sein reiz besteht vor allen anderen
monaden, im den stumpfen blick
verbergenden, falsch glitzernden
monokel. ja, die maden
am besteck des begriffs
streben nach höherer mundfäule.
sieg der freude an verläufen,
die die einteilung beleben.
schnauze halten ehrlichere hunde,
heben ein bein,
verlassen bellend die szene.
nicht jede dame hält ganz rein,
was seziert die reize verliert,
sich zum letzten mahl aufbäumt,
das rot bricht den lippen
und abwesend schwafelt
von süsseren begehren.

3

metaphysical profiteers
let celebrate the names,
until riper ladies an oh!
escapes about such free
formulations, which
with suitable accompanying music
melt on their tongue.
essence raises them,
but not much
below
in front of positions others
grunt. shave
your self, away all those beings!
why should you box in,
what passes into each other.
thus balances  inbetween cups
the doughnut of truthtelling,
saw wicked priests
in their own talk
park inverse signs.
tired marks pull
out of worthless uniformity
an adequate order for every ape.
vibrato of the lobes of the lung
annihilates the nieces
of time-traveling uncles.
its stimulation endures before any other
monad, in the dull view
hiding, false glittering
monocle. yes, the  maggots
on the cutlery of notions
strive for higher canker.
joy of victory about courses,
which revive the classifications.
More honest dogs shut up their snout,
lift a leg,
leave the scene, barking.
Not every lady keeps entirely pure,
which dissected loses the stimulations,
rises up to the last meal,
breaks the red of the lips
and babbles absent
about sweeter desires.

4

ein gedankengang? ein kreuzweg.
ein kreuzgang? ein wegwerfgedanke.
ein wegkreuz? eingang: gedanke
und bittsteller. weg mit dem zeug!
im zug wird nur verspielt,
was im flug gewonnen hätte.
matt fällt diese figur
vom gerasterten brett,
erfindet ein kabinett den sinnen,
wo diese sich wachsen aufpflanzen
und die schönen glieder
wie junge pflanzen aufwachsen.
betten, die beten, vokalische längen
im illusorischen beet,
sind das so sachen:
auch kalte schultern zeigen
immer noch ihre form. los
muss geschickt sein glück beziffern,
das fremd geht.
was sich festsetzt im pelz,
ist säulen wie läusen egal,
errichtet debilem denken
keine klassizistischen tempel,
verplempert in flüchtigen fugen
die übrige zeit
und lässt in üppigen kurven
die sinne sausen.
bin ich mehr als mein mundstück,
wenn alles flöten geht?
sich treiben lassen
zieht dem kopf ein holz vor,
das sich gegen einflüsse taub stellt.
wenn die weisen sich
in weite wiesen verlieren,
baut sich auch schon ein zaun auf,
pflock für pflock hämmern die ein,
die auf das, was sie tasten,
nicht hören.
steh nicht herum,
wenn vorstellungen um dich
die grenze ziehen.
auch wenn ein sehen
von bogen zu bogen sich schwingt,
überwinden, die sehnen, umsonst
spannen und spitzeln.

4

a train of thought? a crossroad.
a cloister? a throw-away-thought.
a roadcross? entry: thought
and petitioners. away with this stuff!
in train will only be lost,
which would have won in flight.
dull this figure falls
off the screened board,
invents a cabinet for the senses,
where these plant themselves like wax
and the beautiful limbs
grow up like young plants.
beds, which pray, vocalic lengths
in the patch of illusions,
such matters are:
even cold shoulders show
still their form. lot
must be sent to quantify its luck,
which betrays.
what settles in the fur,
does not matter for columns and lice,
constructs for debile thinking
no classical temples,
wastes in volatile fugues
the rest of the time
and in voluptuous curves
lets rush the senses.
am I more than my mouthpiece,
if everything goes whistle?
to let one drift,
prefers a wood to the head,
which plays deaf in front of influences.
if the airs
loose themselves in  vast planes,
already a fence arises,
peg to peg those drive in,
who on what they feel by touch
do not listen.
do not stand around,
when imaginations around you
install the border.
even if  insight
swings from bow to bow,
those, who long, overcome in vane
spans and spying.

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